Romania

Komm herein, Bruder!

June 22, 2020

Als von der Regierung die Ausgangssperre verhängt wurde, bemerkte Cornel Boingeanu, Leiter von OM in Rumänien „dass es in dieser Zeit erlaubt war, denjenigen zu helfen, die sich in Schwierigkeiten befinden, also älteren Menschen, Menschen mit Behinderung, armen Familien …“ Nach einem gemeinsamen Gebet beschlossen die OM-Mitarbeiter in Rumänien, das Beste aus dieser Gelegenheit zu machen und bedürftige Menschen in ihren Häusern zu besuchen und ihnen Lebensmittel, Medikamente oder andere benötigte Dinge zu bringen.

OM-Mitarbeiter übergibt einer alten Frau ein Hilfspaket mit Lebensmitteln„Dennoch blieb ein Problem bestehen“, erinnert sich Cornel. „Wie bringen wir die Menschen dazu, uns zu vertrauen und uns ihre Tür zu öffnen, wenn sie uns nicht kennen? Ich ging zur Polizeidienststelle in meinem Viertel und fragte die Polizisten, ob sie mich mit bedürftigen Menschen in Kontakt bringen könnten.“
Er begann das Gespräch mit den Polizisten: „Sie wissen, wer ich bin, und Sie wissen, was ich tue. Können Sie mich mit bedürftigen Menschen in Kontakt bringen, die in dieser Zeit verzweifelt um Hilfe bitten?“ Von der Frage überrascht antworteten die Polizisten: „Sie wissen, dass das gefährlich ist, oder? Sie riskieren, sich mit dem COVID-19-Virus anzustecken!“
Cornel antwortete: „Ich weiß, dass es gefährlich ist, und ich versuche, mich so gut ich kann zu schützen. Aber, wie viel riskanter ist es für diese Menschen? Sie sind allein und isoliert in ihren Häusern und haben niemanden, der sie unterstützt.“ Dann hörte er einen Satz, der ihn erschreckte, einen Satz, den er noch nie von einem Polizeibeamten in diesem ehemals kommunistischen Land gehört hatte: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben recht!"

Durch Spenden von vielen Gemeinden, konnte das OM-Team Lebensmittelpakete verteilen. (Symbolbild)Das OM-Team erhielt viele Kontakte von der Polizeiwache und begann, diese Menschen in ihren Häusern zu besuchen. Die meisten von ihnen sagten, dass sie kein Geld mehr haben, um sich oder ihre Familien zu ernähren. Also schickte Cornel eine E-Mail an jede evangelische Gemeinde in Bukarest und bat sie, Lebensmittel, Kleidung oder vorbereitete Mahlzeiten zu spenden. Ein dreiköpfiges Team sammelte diese Pakete ein und verteilte sie an die Bedürftigen.
„Wir sagten allen, die wir besuchten, dass die Nahrung für unsere Seele wichtiger als die Nahrung für unseren Körper ist, und gaben ihnen eine Bibel sowie einen einfachen Jüngerschaftskurs“, berichtet Cornel. „Wir forderten sie heraus, täglich die Bibel zu lesen und einige sehr einfache Fragen aus diesem Kurs zu beantworten.“
In den kommenden Tagen rief das OM-Team sie dann regelmäßig an und fragte, ob sie die Bibel lesen. Fast alle antworteten: „Natürlich, wir haben nichts anderes zu tun!“ Wenn Cornel jetzt ein- oder zweimal in der Woche die Menschen besucht, kann er die Freude in ihren Augen sehen, was für ihn selbst ein Segen ist.

„Auf diese Weise haben wir gelernt, eine Gemeinde zu sein, die sich an diejenigen wendet, die Gott noch nicht kennen“, freut sich Cornel über die Erfahrungen. „Darüber hinaus bin ich überrascht, dass andere Menschen aus den Gemeinden in Bukarest jetzt offen sind, sich uns bei diesem Auftrag für die Randgruppen anzuschließen.“

Neben Hilfspaketen verteilen die OM-Mitarbeiter in Rumänien auch Bibeln (Symbolbild)Nach einigen Wochen besuchte Cornel in einem der armen Vierteln den 44-jährigen Radu*. Nach einem Schlaganfall ist er gelähmt, kann seine Füße nicht mehr benutzten und sitzt im Rollstuhl in seiner kleinen Wohnung im ersten Stock fest. Wenn er Besorgungen oder Arztbesuche machen muss, muss er jemanden bezahlen, der ihm die Treppe hinunter hilft. Radu begrüßte Cornel mit den Worten: „Komm herein, Bruder Cornel!“ Dieser war darüber sehr überrascht, da sich in Rumänien nur wiedergeborene Christen so begrüßen und fragte: „Was meinst du damit?“ Mit einem sehr breiten Lächeln auf dem Gesicht sagte Radu ihm: „Ich habe die Bibel, die du mir bei deinem ersten Besuch gegeben hast, fertig gelesen. Jetzt kenne ich die Wahrheit. Ich bin dein Bruder in Christus!" Cornel war sehr ergriffen, als er die Freude der Errettung in Radus Augen sah. „Mir flossen Tränen über die Wangen, denn er war jetzt ein Nachfolger Jesu!“, freut sich Cornel. „Beim Verlassen der Wohnung wusste ich, was wir bei OM in Rumänien anders machen können. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes möchte wir in jedem Haus, in dem wir offene Türen für das Evangelium finden, kleine Hausgemeinden gründen.“

Dank der Spende eines Supermarktes, können die OM-Mitarbeiter hochwertige Lebensmittel verteilen (Symbolbild)Weiterhin fragte sich Cornel, wie OM genügend Ressourcen finden könnte, um all diesen Menschen in Not Lebensmittel zu bringen. Da erinnerte er sich an ein Gespräch mit einem Helfer beim Packen der Lebensmittelpakete. Dieser sagte zu Cornel, dass er auf keinen Fall die gesamte Vier-Millionen-Stadt Bukarest ernähren könne, worauf Cornel zustimmte, aber anmerkte, dass sie Gott bitten könnten, dies für sie zu tun.
Gott erhörte diese Bitte und nach wenigen Tagen rief ein leitender Mitarbeiter eines großen Supermarktes bei Cornel mit folgenden Worten an: „Ich habe von der Polizei gehört, was Sie für verschiedene Menschen in Not tun. Wir möchten Sponsor für dieses Projekt sein und Lebensmittelvorräte für diese Menschen spenden!" Kurz danach erhielt OM in Rumänien die erste Lieferung an Lebensmitteln, aber nicht irgendwelche Reste, sondern hochwertige Bio-Lebensmittel. Cornel brachte diese mit Erlaubnis der Stadtverwaltung zu einem OM-Team in einem ländlichen Gebiet Rumäniens, das damit viele arme Familien unterstützen konnte.

„Aber Gottes großartige Versorgung hörte damit nicht auf“, freut sich Cornel. „Nachdem die rumänische Bibelgesellschaft erfahren hatte, was wir tun, riefen sie mich an und sagten mir, dass sie OM in Rumänien kostenlos so viele Bibeln geben, wie wir für dieses Projekt brauchen!“

*Name geändert